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Spanische Grippe – ein Ausflug in die Medizingeschichte

Pandemien gab es im Laufe der Geschichte immer wieder. Besonders bekannt sind die Pest im 14. Jahrhundert und die Spanische Grippe im 20. Jahrhundert. Unterschiedlicher konnte das gesellschaftliche Umfeld in diesen Jahrhunderten nicht sein und auch die (hoffentlich einzige) Pandemie des 21. Jahrhunderts ist schwer zu vergleichen. Ein Virus, das hoch ansteckend ist, verhält sich jedoch sehr oft gleich. Da die Corona-Pandemie immer wieder mit der Spanischen Grippe verglichen wird, möchte ich mich heute näher mit dieser beschäftigen.

Obwohl sich die Bezeichnung „Spanische“ Grippe geschichtlich durchgesetzt hat, ist der Ursprung des Virus nicht eindeutig geklärt. Häufig wird ein militärischer Stützpunkt in den USA als Ursprung genannt. Durch die Einsätze der US-Soldaten im Rahmen des Ersten Weltkrieges soll sich das Virus dann ausgebreitet haben. 1918 war der Erste Weltkrieg zu Ende und viele Soldaten kehrten – infiziert – in ihre Heimatländer zurück. Die Spanische Grippe forderte in weiterer Folge zwischen 1918 und 1919 in vielen Teilen der Welt rund 20 bis 50 Millionen Opfer. Damit starben an diesem Virus deutlich mehr Menschen als im Ersten Weltkrieg durch Kriegshandlungen. Das Virus war zwar sicher schon vor 1918 im Umlauf, während des Ersten Weltkrieges wurde aber zum Beispiel im Habsburgerreich aufgrund der strengen Zensur in keinem Medium darüber berichtet. Dadurch blieb das genaue Ausmaß der Krankheitsfälle ungewiss. Ähnlich verhielt es sich auch in anderen europäischen Ländern. Nur in spanischen Zeitungen wurde aufgrund der Neutralität offen über das neue Virus geschrieben, weswegen dieses schlussendlich auch zu seinem Namen kam. Nach Ende des Ersten Weltkrieges änderte sich die Situation und zahlreiche europäische Medien begannen, darüber zu berichten. So zentral wie heute wurde das Thema medial jedoch nicht. Das Kriegsende und die Gründung neuer Staaten überlagerten alle anderen Vorkomnisse. Seuchen war zu diesem geschichtlichen Zeitpunkt bereits bekannt und es wurden ähnliche Maßnahmen gesetzt, wie auch wir sie dieses Jahr kennenlernen mussten: Isolierung von erkrankten Personen und Hygienemaßnahmen. Da der Virus aber – wie in unserer Situation – unbekannt und die Symptome unklar waren, wurde die Bekämpfung erschwert. Gab es zunächst noch eine Anzeigepflicht für das medizinische Personal, wurde diese bald wieder verworfen, da die Symptome nicht eindeutig zugeordnet werden konnten. Ausgeklügelte Labortests, wie wir sie heute kennen und ohne die auch viele „corona-positive“ Menschen kaum zu erkennen wären, gab es 1918 noch nicht.

Wer jetzt neugierig geworden ist, kann sich auf der Homepage des Haus der Geschichte viele zeithistorische Dokumente (Fotos, Presseartikel…) ansehen und sich auch noch weiter mit dem spannenden Thema „Spanische Grippe“ beschäftigen.

Bild von analogicus auf Pixabay

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